| Rothenburger
Lateinschule (1593 - 1913)
Progymnasium
(1913 - 1977)
Reichsstadt-Gymnasium
(seit 1978)
Ursprünge einer Rothenburger Schule finden sich schon
im 13. Jahrhundert. Erster Träger war bis zur Reformation
der Deutsche Orden, Inhaber der Rothenburger Pfarrei. Ziel
war neben dem Erlernen des Lateins eine musikalische
Ausbildung mit dem Hintergrund, dass die Schüler mit
Chorgesang die Gottesdienste ausgestalten und Priester
herangebildet werden sollten.
Im 14. Jahrhundert wurde die kirchlich betriebene
Schule zu einer Stadt- oder Bürgerschule, die jedem Bürgerknaben
zugänglich war, auch wenn er nicht Pfarrer werden wollte.
Die Aufgabenstellung war immer noch auf Kirchenmusik und
Latein ausgerichtet. Die Lehrer waren nunmehr keine
Pfarrer, sondern von der Stadt angestellte Schulmeister.
Wesentliche Inhalte des Schulbetriebs waren: Lesen,
Schreiben, Grundelemente des Lateins und
Gesangsunterricht. Die Schule war stets den Knaben
vorbehalten. Für arme Schüler gab es Stipendien, die
ihnen den Besuch der Schule ermöglichten. Erst im 16.
Jahrhundert wurde eine eigene Mädchenschule eingerichtet.
Mit der endgültigen Einführung der Reformation in
Rothenburg 1544 kam als neues Bildungsziel hinzu, die
Jugend im rechten Glauben zu unterrichten.
1554 wurde in Rothenburg eine Schulaufsichtsbehörde,
das Scholarchat, eingerichtet, welches später im
Konsistorium, der geistlichen Oberbehörde der
Reichsstadt, aufging.
Rothenburger
Lateinschule
1589-1592 wurde ein neuer Bau für das Gymnasium neben
St.Jakob gebaut, in dem das Gymnasium 1593 den Unterricht
aufnehmen konnte. Der Unterrichtsbetrieb erlebte eine
grundlegende Erneuerung. Die Schüler wurden in vier
Klassen eingeteilt, neue Lehrbücher wurden angeschafft,
die Lehrmethoden verbessert. Weiterhin standen Latein und
Kirchenmusik im Vordergrund des Lehrens. Eine 5. Klasse
wurde eingeführt und öffentliche wissenschaftliche
Vorlesungen, sogenannte "Lectiones publicae"
wurden abgehalten, zu denen neben den Schülern der
Oberklassen und den Lehrern auch die gebildete Oberschicht
der Stadt eingeladen war.
Mit dem Einzug in das neue Gebäude wurde der berühmte
Chemiker Andreas Libavius zum "Inspector Scholae"
ernannt, ein Amt, das sich weder vor noch nach ihm in
Rothenburg nachweisen lässt, das demnach eigens auf seine
überragende Person zurechtgeschneidert war. Er war
Verfasser der neuen Schulordnung von 1593, die erstmals
auch eine Dienstordnung für die Lehrer brachte, im 2.
Teil Lehrplan und Lehrmethoden für die einzelnen Klassen
festlegte, im 3. Teil eine Disziplinarordnung für die Schüler
aufstellt und zum Schluss das Zusammenleben der Alumnen
regelte.
Von geringen Unterbrechungen abgesehen wurde während
des ganzen Dreißigjährigen Krieges der Schulbetrieb
aufrechterhalten. Notwendige Einführungen von Realfächern
wie Geschichte, Geographie oder eine stärkere Betonung
der Muttersprache wurden noch nicht angegangen. 1683 wurde
der deutsche Katechismus verbindlich und um die gleiche
Zeit gab es in den Klassen auch deutsche Rechtschreibübungen.
Erst seit Beginn des 18., des aufgeklärten
Jahrhunderts drangen wenigstens einige, längst als
notwendig erkannte Neuerungen auch am Rothenburger
Gymnasium durch, vor allem durch die Einführung neuer Fächer:
Mathematik, Physik (worunter man im breitesten Sinne
Naturlehre zu verstehen hat), Geschichte, Geographie.
Deutsch wurde nicht als Unterrichtssprache verwendet, aber
immerhin schon gepflegt. Ein neues Lateinverständnis
griff allmählich Platz: nicht so sehr die aktive
Beherrschung der Sprache sollte im Mittelpunkt stehen,
sondern die formale und inhaltliche Bildung, die durch das
Latein vermittelt wurde. Das Anschaulichkeitsprinzip in
allen Fächern gewann an Boden.
Nachdem Ende 1802 kurbayerische Truppen Rothenburg
besetzt hatten wurde das Rothenburger Gymnasium aufgelöst
und in eine vierklassige Studienschule umgewandelt, die später
wieder Lateinschule genannt wurde. 1874 wurde sie auf 5
Klassen erhöht, ab 1894 zum sechsklassigen Progymnasium
ausgebaut. Bereits 1865 wurde der Lateinschule eine
Realklasse angehängt, aber erst 1877 begann eine
dauerhafte Entwicklung zu einer sechsklassigen Realschule.
Sie wuchs beständig weiter, so dass in den Jahren 1912/13
ein Neubau am Bezoldweg errichtet wurde.
Rothenburger
Progymnasium
Im Neubau am Bezoldweg wurden 1924 die beiden höheren
Schulen in Rothenburg, das Progymnasium und die Realschule
örtlich und organisatorisch vereint. 1937 wurde im Rahmen
der NS-Gleichmacherei das Progymnasium abgebaut, die
Schule zu einer sechsklassigen Oberschule für Jungen verändert.
1941 begann der Ausbau zur achtklassigen Vollanstalt, die,
nach dem langjährigen Rothenburger Oberbürgermeister und
späteren bayerischen Ministerpräsident,
"Ludwig-Siebert-Oberschule" genannt wurde.
Nach den Wirren der ersten Nachkriegszeit wurde sie
1946 umbenannt in "Oberrealschule mit
Gymnasium". Der gymnasiale Zweig trocknete zwar mit
dem Schuljahr 1961/62 ein, im ganzen aber nahm die Schule,
seit 1965 ein mathematisch-naturwissenschaftliches
Gymnasium, dem der Name "Reichsstadt-Gymnasium"
verliehen worden war, so umfangreich zu, dass Anbauten
erforderlich wurden und letztendlich zu einem Neubau des
Schulhauses an der Bleiche führte.
Reichsstadt-Gymnasium
Mit dem Schuljahr 1969/70 überstieg die Schülerzahl
erstmal die Vierhundert, im Schuljahr 1971/72 wurde die
reformierte Oberstufe, die sogenannte Kollegstufe für die
12. und 13. Klasse eingeführt. Dies führte zu enormen
Raumproblemen im Schulhaus am Bezoldweg. Eine beträchtliche
Anzahl von Klassen musste in Ausweichräume im
Jakobsschulhaus ziehen; auch der Bau eines Schulpavillons
half nur kurzfristig. Diese akute Raumnot wurde durch den
Neubau des Gymnasiums an der Bleiche gelindert. Seit
nunmehr 20 Jahren sind wir in diesem herrlichen Bau,
geplant von den Architekten Behnisch & Partner und in
kurzer Bauzeit durchgeführt durch den Landkreis Ansbach,
in nachbarschaftlicher Harmonie zur Hauptschule. In grüner
Landschaft, am südlichen Ende von Rothenburg gelegen
haben unsere Schüler sicher gute äußere
Arbeitsbedingungen.
2004 feierte das Reichsstadt-Gymnasium sein 450-jähriges
Bestehen.
Im Jahre 2006 wurde der Erweiterungsbau mit den neuen
Fachbereichen Biologie und Chemie eingeweiht.
Zum Schuljahr 2007/08 nahm die Mensa ihren Betrieb im
Hauptgebäude auf. |