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Karl Georg Christian von Staudt
Mathematiker
1798 - 1867

Am 24. Januar 1798 wurde in der Freien Reichsstadt Rothenburg Karl Georg Christian von Staudt geboren. Von Staudt stammte aus einer Patrizierfamilie, die in Rothenburg in der Herrengasse das Staudt'sche Haus bewohnte. Sein Vater war der damalige reichsstädtische Ratskonsulent (später königlich bayerischer Stadtgerichtsrat) Johann Christian von Staudt; seine Muter Sabina Maria war eine geborene Albrecht aus einem angesehenen Rothenburger Ratsgeschlecht.
Er wuchs mit zwei älteren Brüdern auf, besuchte 1804 bis 1813 die hiesige Lateinschule, dann bis 1817 das Ansbacher Gymnasium. Dort erhielt er entscheidende Anregungen von seinem Mathematiklehrer Dr. Buzengeiger, mit dem er nach seinem Schulabschluss noch weiter Privatstudien betrieb.
1818 begann er sein Studium der Mathematik bei Karl Friedrich Gauß an der Universität Göttingen. Gauß, einer der größten Mathematiker aller Zeiten, hatte zu der damaligen Zeit nicht nur den Lehrstuhl für Mathematik inne, sondern er leitete auch die Sternwarte. Von Staudt veröffentlichte damals die weit beachteten Berechnungen über die Bahnen des Planeten Mars, des Planetoiden Palles und eines Kometen (1820-1821). Nach seinem Göttinger Examen promovierte er 1822 in Erlangen zum Dr.phil. .Im Oktober 1824 legte er in München das Examen für das höhere Lehramt ab, er wurde als Professor für Mathematik am Gymnasium in Würzburg angestellt. Dort hielt er bereits schon Vorlesungen an der Universität. 1827 ging an an die Nürnberger Studienanstalt und lehrte als Dozent am Polytechnikum.
Am 28. Oktober 1832 heiratete er Jeanette Drechsler, die Tochter eines Nürnberger Patrimonialrichters. Aus diese Ehe entstammten zwei Kinder.
Mit seiner Berufung auf den Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Erlangen am 23. August 1835 begann die eigentliche Gelehrtenlaufbahn von Staudts. Ab 1. Oktober 1835 hatte Carl Georg Christian von Staudt bis zu seinem Tod am 1. Juni 1867 seinen Lehrstuhl inne.

Sein Werk
In seiner Studienzeit als Schüler von Gauß an der Göttinger Sternwarte 1820-1821 betrieb von Staudt gewissermaßen "angewandte" Mathematik, indem er die Laufbahn von Planeten, Planetoiden und Kometen berechnete und dadurch die frühe Anerkennung der Fachwelt erfuhr. Während seiner Gymnasiallehrerzeit in Würzburg und Nürnberg erschien 1825 eine kleine Arbeit über die Teilung des Kreises, worin er ein von seinem Lehrer Gauß bearbeitetes Problem weiter zu vereinfachen suchte. 1831 folgte eine Untersuchung über Kurven zweiter Ordnung, die bereits zu seinem wissenschaftlichen Hauptwerk überleitete.

Dies, die "Geometrie der Lage" entstand im ersten Jahrzehnt seiner Erlanger Professur, erschien in erster Auflage 1847 in Nürnberg und wurde von 1856 bis 1860 durch drei Hefte von "Beiträgen" ergänzt.
In der Antike war die Geometrie der am weitesten entwickelte Teil der Mathematik und viele grundsätzliche Fragen wurde in diesem Bereich erstmals behandelt. In den Jahren zwischen 1790 und 1820 fanden vor allem französische Forscher, wie Monge und Poncelet, zu einer neuen Sicht der Geometrie: Nach der Analytischen Geometrie, dem Rechnen mit Koordinaten, entstand die Projektive Geometrie, die auf ältere Erfahrungen zurückgriff.
Bei der "Geometrie der Lage" handelt es sich zunächst um eine Erforschung und Kritik der geometrischen Grundbegriffe (Raum, Punkt, Gerade, Ebene usw.), deren Voraussetzungen er zu einem neuen System der Geometrie entwickelte, mit dem er ein Wegbereiter der modernen nicht-euklidischen Geometrie wurde, die über Einsteins Relativitätstheorie zu einem Grundpfeiler der der Naturwissenschaften wurde.
Die euklidische Geometrie beruhte auf Konstruktionen mit Zirkel und Lineal. Das Messen beruhte auf dem Gebrauch des Zirkels. Mit dem Lineal kann man nur Verbindungsgerade und Schnittpunkte je zweier Geraden konstruieren. Seit dem 17. Jahrhundert hatte man entdeckt, dass derartige Konstruktionen mit dem Lineal allein schon zu einer großen Anzahl geometrischer Sätze führten, deren Gesamtheit man als "Projektive Geometrie" oder mit Staudt als "Geometrie der Lage" bezeichnete. Die Beweise dieser vom Messen unabhängigen Sätze wurden stets unter Zuhilfenahme des Messens betrieben. Staudt forderte nun, dass diese Sätze auch mit rein projektiven Methoden, d.h. ohne jedes Messen, bewiesen werden müssten.
Von Staudt wissenschaftliche Beiträge zur Geometrie sind von einer Tiefe und Neuheit geleistet, dass erst durch Felix Klein (1849-1925) die Bedeutung des Staudtschen Wirkens ins rechte Licht gesetzt wurde.
Das Doppelverhältnis von 4 Punkten auf einer Geraden spielt in der Geometrie der Lage eine besondere Rolle. Von Staudts Sicht dieses Begriff ist bis in unsere Zeit für Mathematiker, nicht nur aus dem Bereich der reinen Mathematik, anregend geblieben. Methoden zur Darstellung von Kurven und Flächen auf einem Computerbildschirm und zur Steuerung von Werkzeugmaschinen, die ursprünglich aus dem Geist der Analysis heraus entwickelt wurden, erweisen sich als geistige Kinder der Projektiven Geometrie, wie von Staudt sie verstanden hat.

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